28. Jänner 2026
Mein liebstes Winterrezept: Tafelspitz wie bei Großmutter
Meine Großmutter hat nie nach Rezept gekocht. Sie hat geschaut, gerochen, probiert. „Das Fleisch sagt dir schon, wann es fertig ist", hat sie immer gesagt. Als Kind fand ich das seltsam. Heute verstehe ich genau, was sie meinte.
Für einen guten Tafelspitz braucht man vor allem eines: Zeit. Das Fleisch muss langsam garen, bei niedriger Hitze, mindestens drei Stunden. Dazu kommt eine gute Rindssuppe als Basis, Wurzelgemüse — Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel — und natürlich Schnittlauch. Viel Schnittlauch.
Das Geheimnis meiner Großmutter war der Apfelkren. Frisch geriebener Kren, gemischt mit einem säuerlichen Apfel und einem Löffel Zucker. Kein Sahne, kein Essig — nur diese drei Zutaten. Dazu Rösterdäpfel aus der Pfanne, goldbraun und knusprig.
Jeden Winter, wenn der erste Schnee fällt, mache ich ihren Tafelspitz. Nicht für die Speisekarte — für mich. Ich stehe in der Küche, es dampft, und für einen Moment bin ich wieder das kleine Mädchen, das neben seiner Großmutter auf einem Holzschemel stand und zuschaute.
Manche Rezepte sind mehr als Essen. Sie sind Erinnerungen, die man schmecken kann.